Besuch in der Marburger Moschee

Klasse R4V zu Besuch in der Marburger Moschee

Im Rahmen des Kursthemas Migration im Fach HPB haben sich die Studierenden der R4V unter anderem mit dem Islam in Deutschland beschäftigt. Da Marburg seit 1986 eine Moschee hat, bot es sich an, diese mit der Klasse zu besuchen.

Treffpunkt des Moscheebesuches war die Elisabeth-Kirche. Auch die Heilige Elisabeth war als ungarische Prinzessin eine Migrantin, als Kind musste sie ihre Familie verlassen um einen deutschen Prinzen zu heiraten. Durch ihr Wirken als Wohltäterin und durch die Verehrung, die ihr nach ihrem Tod entgegengebracht wurde, hat sie der  Stadt ihre wohl berühmtesten Wahrzeichen hinterlassen. Vom Portal der zu ihren Ehren errichteten Kirche, sind die Studierenden bei schönem Frühlingswetter zum Marbacher Weg gelaufen, wo sich in einem roten Klinkerbau die Moschee befindet.

Asmah El-Shabassy vom Verein Orientbrücke stellte dann auch schnell klar, dass die Wahrzeichen, die man mit einer Moschee verbindet, Minarette und eine Kuppel, nicht zwangsläufig zu einer Moschee gehören. Entscheidend sind der saubere Untergrund und die Gebetsrichtung, sodass im Gebäude gebetet werden kann.
Darüber hinaus findet man in JEDER Moschee Koranausgaben. In der Marburger Moschee und der ihr zugehörigen Bibliothek ist dieser aufgrund der bunten Gemeinde mit über 40 Ursprungsnationalitäten in vielen Sprachen präsent. Die Marbacher Moschee ist gleichzeitig Gemeindezentrum und Raum für Feste. Die Predigten finden hauptsächlich auf Deutsch statt, denn die Gemeinde besteht aus Gläubigen aus ganz unterschiedlichen Ländern, anders als z.B. die Stadtallendorfer Moschee, die vorwiegend türkisch geprägt ist. Leider ist die ehemalige 4 Zimmerwohnung für den regen Zulauf zu klein geworden.

Frau El-Shabassy berichtete daher von den Bauplänen für die neue Marburger Moschee.  Diese Pläne werden vom Marburger Runden Tisch der Integration, an dem alle Parteien, Entscheidungsträger und Interessensvertreter teilnehmen, diskutiert und umgesetzt.  Gemeinsam mit dem Verein und unter Berücksichtigung aller Interessen kann der Bau nun endlich realisiert werden. Marburg, das als
Universitätsstadt  und Wirtschaftsstandort auf gute Wissenschaftler und Spitzenkräfte aus aller Welt
angewiesen ist, wird nun also in Zukunft auch Muslimen einen Anlaufpunkt bieten können.

Der Besuch zeigte allen Beteiligten ganz deutlich, dass der Islam schon seit einiger Zeit in Marburg heimisch geworden ist, und dass eine erfolgreiche Integration und ein aktiv gelebter Glaube kein Widerspruch sind. Muslime sehen sich nicht länger als „Migranten", sondern als Bürgerinnen und Bürger mit islamischem Glauben, die - wie alle anderen auch - Mütter, Väter, Kollegen, Nachbarn, etc. sind.

Frau El-Shabassy merkt an, dass der viel verwendete Begriff „Migration" einen Aspekt des Nicht-Angekommenseins in sich trägt - die Arbeit des Vereins ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine
Religion, die nicht immer in Marburg heimisch war, durchaus auch hier angekommen ist, in der Stadt der heiligen Elisabeth.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die vielen, sehr unterschiedlichen  Herkunftsgeschichten der Studierenden aus der Klasse: Die Familiengeschichten reichen von Indien,
Somalia, der Türkei bis Schweden, aber auch in die nähere Umgebung. Die Studierenden gehören christlichen Gemeinden an, aber auch dem Islam oder eben keiner Religion - die Fragen der jungen Frauen und Männer wurden von Frau El-Shabassy offen und humorvoll beantwortet: „Warum werden die Schuhe ausgezogen?" Ganz einfach - wenn Muslime beim Beten das Haupt zur Erde neigen,
ist es besser, wenn der Boden sauber ist. Die Studierenden lernten auch, dass eine rituelle Waschung für ein rituelles Gebet erforderlich ist - und dass kein muslimischer Arzt sein Operationsbesteck mitten in der OP fallen lässt, weil die nächste Gebetszeit eingetreten ist. Er wird dies später tun - genau wie die muslimischen Studierenden erst ihre Klausur fertig schreiben. Der Besuch war auch eine Lektion in Sachen „Coolness" – man solle sich nicht so in sein Gejammer fallen lassen wenn einiges schief läuft – „Gott hat seinen Plan und wird für mich sorgen (wie Er für jedes seiner Geschöpfe Sorge trägt)", sagte
Frau El-Shabassy – und wenn etwas misslingt, zählt vor Gott der gute Wille – das ist eine schöne Alternative zur Vorstellung, dass uns alles perfekt gelingen muss. Den Studierenden gefiel der herzliche und offene Dialog, auch wenn manche – wie Leo P. sagt -, „mit Religion nicht viel am Hut haben". „Es war schön, mal eine andere Moschee zu sehen", sagt Mustafa Y., der die türkische Moschee seiner
Heimatstadt kennt. Und Amal A., die die Moschee kennt, fand es „schön, mit der Klasse da zu sein". „so ein Besuch ist gut, um Vorurteile abzubauen", sagen Claudia M. und Jennifer P., und „wir waren überrascht über die Rolle der Frau."